Bidjar
Der Bidjar zählt zu den solidesten und hochwertigsten Orientteppichen in klassischer, von europäischen Einflüssen absolut unverdorbener Musterung. Der zumeist durchgemusterte Kurdenteppich wird im Iran geknüpft. Eher selten finden wir hier Medaillons mit offenem Spiegel. Faszinierend sind die voll ausgebildeten chinesischen Musterelemente, die vor 500 Jahren Eingang in die persische Teppichkunst fanden und die Kurdengebiete vor rund 250 Jahren erreichten. Außerdem lässt sich auch ein französischer Einfluss bei dem außergewöhnlichen Rosen-Bidjar feststellen, bei dem üppige Rosenbuketts das tragende Element der Musterung, bilden.
Ghom
Die Stadt Ghom, seit Jahrtausenden Pilgerstätte und Mittelpunkt des religiösen Fanatismus, hat sich seit dem 2. Weltkrieg auch zu einem bedeutendem Märkt für Teppiche, aus den im weiten Umkreis liegenden Dörfern entwickelt. Die Qualität hat sich in den letzten 15 Jahren von den eher protzig wirkenden Mustern bis zu 100%-seidenen, traumhaft feinen Teppichen ständig verbessert. Zunächst sind lediglich einzelne Knüpfer dazu übergegangen Teile des Musters in Seide auszuführen, und zwar ganze Motive und nicht nur Konturen, wie z.B. im Nain. Häufig enthält der Ghom das bekannte, florale Boteh-Muster in vielen verschiedenen Mustern. Dieses wurde im Westen häufiger als Textilmuster kopiert, Ihnen daher sicherlich auch als Paisley-Muster bekannt.
Isfahan
Isfahan ist zweifellos die prächtigste und sympathischste aller persischen Städte. Man sieht ihr auf den Schritt und Tritt eine lange Geschichte an da sie die Hauptstadt Schah Abbas des Großen war, unter dessen Regierung hier Teppiche von höchster Pracht entstanden. Nach der Eroberung der Stadt durch die Afghanen im Jahr 1722 verfiel die Teppichknüpfkunst und wurde erst Anfang dieses Jahrhunderts wieder zu neuem Leben erweckt. Die heutigen Isfahan- Teppiche sind fein geknüpfte Teppiche in höchster Qualität mit floralen Mustern, speziell in den Farben Rot, Blau und Creme.
Iran
"Land der Arier" hieß bis 1925 Persien. Kaiserreich. 164.800 qkm, angrenzend im Westen an Irak und Türkei, im Norden an die UdSSR, im Süden an den Persischen Golf, im Osten an Afghanistan und Pakistan. Hauptstadt und Sitz der Regierung ist Teheran mit über 6 Mio. Einwohnern. Total-Bevölkerung des Landes (1979) 46 Mio., wovon 2/3 Iraner (Perser), Rest Nomaden (Kurden, Luren, Gashghais, Baluchen) sowie Azerbaidjani, Armenier, Araber und Juden sind. Die Wirtschaft ist geprägt durch die reichen Ölvorkommen sowie die Landwirtschaft und das Kunstgewerbe (Teppiche, Silber- und Kupferarbeiten). Exportiert werden namentlich Öl, Baumwolle, Früchte, Teppiche, Wolle, Häute (Persianer), und Kaviar.
Keshan
Die Stadt Keshan liegt an der alten, an der Wüste entlangführenden Karawanstraße zwischen Ghom und Isfahan. Sie ist seit 800 Jahren berühmt für überragendes Handwerk. Um 1540 war Keshan als Zentrum der Textilkunst so hoch angesehen, dass der Meisterknüpfer Maghsun von Schat Tahmasp den Auftrag erhielt, den schönsten Perserteppich aller Zeiten, den Ardebil, zu knüpfen.
Der Keshan gilt allgemein als subtil, feinfühlig und elegant, dunkelblaue Bordüren, Ecken und Medaillons wirken nie aufdringlich, sondern besonders harmonisch durch den wohlüberlegten Einsatz von Elfenbein und anderen hellen Farbtönen.
Nain
Nain ist eine kleine Oasenstadt östlich von Isfahan. Der Nain-Teppich ist ein verhältnismäßig junger Teppich. Als die Herstellung feiner Wolltuche in Nain durch das Vordringen europäischer Kleidung zurückging, begann man mit der Fertigung von feinsten Teppichen.
Um eine möglichst hohe Knotendichte zu erzielen, wird vielfach Aufschlag Seidenkette gearbeitet. Auch im Flor findet Seide gerne Verwendung, um die gestochen feine Zeichnung in den Konturen herauszuheben. Die Muster sind überwiegend floral und die Farbstellung hell- und dunkelblau, hellcreme, rehbraun.
Nomaden
Abgeleitet von griech. nemein = weiden. Wandernde Völker, Hirtenvölker, Viehzüchter, Jäger und Krieger. In den dünn besiedelten Gebieten Asiens und Nordafrikas ziehen sie mit ihren Herden den gesamten Hausrat, Zelten oder Jurten in Großfamilien oder Sippen auf gleichen Routen zu immer neuen Weideplätzen. Sie kommen in besiedeltem Gebiet immer mehr in Konflikt mit den Ordnungshütern. Mehrere Staaten versuchen sie mit unterschiedlichem Erfolg sesshaft zu machen, denn sie berufen sich in ihrem Lebensstilanspruch auf das Gewohnheitsrecht, das nicht immer konform mit dem Staatsrecht steht. Beschäftigen sich die Männer in der Hauptsache mit Viehzucht, tragen die Frauen vieler Stämme mit ihren Knüpfarbeiten wesentlich zum Lebensunterhalt der Sippe bei.
Täbriz
Häufig bestimmt das sogenannte Herati-Muster den überaus feinen Täbriz. Abheben tut er sich von seinen Verwandten geknüpft im nahegelegenen Sarab oder Arak dadurch, dass seine Version des Herati-Musters stets starr, ja sogar ein wenig streng ausfällt. Die Genauigkeit in Knüpfung und Muster, besonders bei Betrachtung der Rückseite, macht die Teppiche besonders exakt und perfekt.
